08.11.2018

Lieferantenbewertung

Kosten senken, Qualität erhöhen

© Sergey Nivens - Fotolia.com

Im Einkauf steckt der Gewinn. So lautet eine alte Managementweisheit. Kein Wunder, denn jeder eingesparte Euro erhöht zu 100 Prozent sofort das Ergebnis. Bei jedem gewonnen Euro auf der Umsatzseite fließt dagegen "nur" die Marge in den Gewinn. Es ist also wesentlich anstrengender das Ergebnis durch Wachstum als durch Kosteneinsparungen zu verbessern. Es gibt jedoch Grenzen. Übertriebenes Kostenmanagement im Einkauf führt nach einiger Zeit zu Qualitätsmängeln und zu Störungen der Lieferantenbeziehungen. Wie weit Sie gehen können, ist eine Frage Ihres Einkaufsmanagements. Eine Lieferantenbewertung ist dafür unabdingbar.

Bewertungsverfahren

  • Interviews und Firmenbesichtigungen sind einfache und zugleich effektive Möglichkeiten, sowohl um sich einen ersten Eindruck eines infrage kommenden Lieferanten zu bilden, als auch um sich von der Eignung eines langjährigen Geschäftspartners kontinuierlich zu überzeugen und offene Fragen zu klären.
  • Flankieren Sie diese persönlichen Eindrücke durch Analysen öffentlich zugänglicher Materialien und Informationen. Viele Fakten und Hintergrundberichte sind mittlerweile im Internet erhältlich. Wirtschaftsauskunfteien bieten Einblicke in die finanzielle Situation von Lieferanten. Fragen Sie auch Ihre Konkurrenten nach den Erfahrungen mit ihren Zulieferern.
  • Für eine engere Auswahl von Lieferanten bieten sich intensive Audits an, die sich nach Ihren detaillierten Fragen- und Kriterienkatalogen richten. Bei offiziellen Qualitätszertifikaten sind die größtenteils bereits vorgegeben.
  • Zeitlich begrenzte Probelieferungen stellen das Preis-Leistungsverhältnis von Lieferanten in der praktischen Alltagsituation unter Beweis.

Lieferantenklassen

Wie intensiv Sie Ihre Lieferanten durchleuchten, hängt von der Bedeutung des Einkaufsproduktes für Ihr Unternehmen und der Komplexität des Beschaffungsmarktes ab. Kombinieren Sie beide Kriterien in den Ausprägungen „hoch“ und „niedrig“, ergeben sich vier Klassen: 

  • Strategische Lieferanten sollten langfristig geplant und gepflegt werden.
  • Engpass-Lieferanten erfordern ggf. eine Neupositionierung oder Substituierung, um die Versorgung zu sichern.
  • Bei Hebel-Lieferanten können Sie Ihre Nachfragemacht nutzen und eine Konsolidierung dieses Segments herbeiführen.
  • Unkritische Lieferanten sind relativ unbedeutend für Ihr wirtschaftliches Ergebnis, hier gilt es, überwiegend auf die Prozesskosten zu achten.

Die Pflege von Lieferantenbeziehungen kostet Zeit und Geld. Strategische Lieferanten sind daher intensiver zu betreuen als die unkritischen Lieferanten. Das Portfolio liefert auch die Grundlage für eine Reduzierung von Lieferanten.

copyright emivo GmbH

Drucken