05.11.2018

Künstliche Intelligenz

Wann sind Maschinen klüger als Menschen?

Als das Computerprogramm AlphaGo der Google Tochter DeepMind im März 2016 einen der weltbesten Profispieler des Brettspiels Go schlug, war Künstliche Intelligenz (KI) wieder in aller Munde. Schlagartig wurde deutlich, wie mächtig die Technologie mittlerweile ist. Sie wird mit aller Macht von Google, Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und anderen Technologiegiganten vorangetrieben und wird die Digitalisierung in nächster Zeit prägen. Experten wie Elon Musk von Tesla oder Stephen Hawking warnen bereits, dass maschinelle Superintelligenz zu einer Gefahr für die Menschheit werden kann, was Mark Zuckerberg allerdings als Hysterie abtut. Darum geht es:

Stand der Technologie

Künstliche Intelligenz ist eine Software, die aus großen Datenmengen (Big Data) selbstständig Muster erkennt, daraus lernt und häufig anders reagiert als Menschen es je tun würden. So hat AlphaGo Spielzüge entwickelt, auf die noch kein Spieler vorher gekommen ist. Grundlage für die Programmierung der Algorithmen ist die Methode des Deep Learning.

Sie basiert auf der in der KI-Forschung in den 1980er Jahren populär gewordenen künstlichen neuronalen Netzwerken, einer Nachempfindung des menschlichen Gehirns. Diese Netze bestehen aus in mehreren Schichten angeordneten Knotenpunkten (Neuronen), die über unterschiedlich schwere Leitungen miteinander verbunden sind. „Deep Learning“ bezieht sich auf ein Netz mit vielen Neuronen in verschiedenen Schichten. Das Programm kann selbst lernen, wenn riesige Datenmengen (Fotos, Texte, Töne) und Rechnerkapazitäten (vor allem leistungsfähige Grafikkarten) zur Verfügung stehen, über die Unternehmen wie Google und Amazon zweifelsohne verfügen.

Während früher jede Merkmals- und Mustererkennung manuell programmiert werden musste, bringen sich auf Deep Learning basierende Computerprogramme die Erkenntnisse selbst bei, ohne dass man im Detail weiß, wie das geschieht.

Anwendungen

Künstliche Intelligenz, also Software, steckt in klassischen Rechnern (Desktop, Laptops), in Smartphones, Robotern, Autos, LKWs, Flugzeugen, Drohnen, zunehmend aber auch in Geräten des Alltags. Bei KI geht es darum, Sprache zu verstehen, Gesichter und Formen zu erkennen und non-verbale Signale (z. B. Emotionen und Stimmungen von Menschen anhand des Gesichtsausdrucks und an der Haut) wahrzunehmen. KI wird in den nächsten Jahren in allen Lebensbereichen und Branchen eine Rolle spielen und die Digitalisierung auf eine neue Stufe heben. Hier einige Beispiele:

  • Assistenz: Persönliche digitale Assistenten für viele Lebenslagen, die auf KI basieren, werden sich nach dem Willen der Internetgiganten durchsetzen. Apple ist mit Siri, Amazon mit Alexa und Echo, Microsoft mit Cortana und Google mit Google Now auf dem Markt.
  • Medizin: Das Erkennen und Lokalisieren von Krankheiten auf Fotos hilft z. B. in der Onkologie, wenn Software z. B. kleinste Krebsmetastasen entdeckt und dem behandelnden Arzt Hinweise gibt, auch dort, wo Experten nicht verfügbar sind.
  • Mobilität: Autonomes Fahren ist ohne KI nicht möglich. Viele Kameras an Fahrzeugen erfassen die Umwelt, die von Computerprogrammen in Echtzeit analysiert und in Handlungen umgesetzt werden.
  • Logistik: Roboter z. B. in den Amazon-Lägern können ohne menschliche Hilfe verschiedene Waren für eine Bestellung aus den Regalen suchen. Sie erkennen frühzeitig, welche Waren zu verpacken sind, und stellen ihre Greifarme frühzeitig auf verschiedene Gewichte und Größen der einzupackenden Waren ein.
  • Finanzen: Erkennen von Kreditkartenbetrug, Bonitätsprüfung, Aktienanalysen und Schadensabwicklung bei Versicherungen sind nur einige Einsatzgebiete, in denen Künstliche Intelligenz schnelle und präzise Arbeit leistet. Auch Finanzämter werden KI zur Identifizierung von Steuerbetrug einsetzen.
  • Sprache: Das Start-up Waverly Labs hat kürzlich einen auf KI basierenden Simultandolmetscher herausgebracht. Es ist ein Gerät, das man sich ins Ohr steckt. Mit einer Smartphone-App hört man dann seinen fremdsprachigen Gesprächspartner in Echtzeit in seiner Heimatsprache. Wenn diese Dienste präziser und die Geräte kleiner werden, ist das Erlernen einer Fremdsprache nicht mehr notwendig, dann nur noch Liebhaberei. KI-Programme sind in Schreibrobotern auch als Redakteure aktiv.

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