08.10.2019

Krisenprävention

Wie Sie durch die Rezession kommen

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In Deutschland geht die Angst vor der Rezession um. Das goldene Jahrzehnt mit einer stetig wachsenden Wirtschaft neigt sich dem Ende zu. Im Maschinenbau brechen die Auftragseingänge ein. Auch in der Automobilwirtschaft, Deutschlands Vorzeigebranche, gehen die Warnleuchten an. Viele Automobilzulieferer schalten in den Restrukturierungs- und Kostensenkungsmodus. Was sind die Gründe? Was können Sie als Krisenprävention tun?

Zunächst einmal sind in Deutschland noch längst nicht alle Branchen von Auftragsrückgängen geplagt. Der Binnenwirtschaft wie Bau, Handwerk, Handel und der IT-Branche geht es z. B. noch relativ gut. Betroffen sind bisher eher Exportbranchen. Viele schieben das auf den Brexit und die von US-Präsident Trump ausgelösten Zollstreitigkeiten. Gefordert werden daher zunehmend staatliche Investitionen in Infrastrukturen. Doch Finanzminister Scholz hält an der schwarzen Null fest. Noch.

Strategische Krisenursachen

Globale Gründe mögen eine Rolle spielen. Aber viele Krisen sind auch selbst verschuldet, beruhen auf Managementfehlern. Bereits vor 15 Jahren haben Wissenschaftler um Prof. Gilbert Probst an der Universität Genf die damals 100 größten Krisenunternehmen mit Insolvenzen und Restrukturierungsbedarf analysiert. Ihre Ergebnisse sind auch heute noch als Denkmodell anwendbar. Die Forscher unterscheiden in Ihrer Studie zwei entgegengesetzte Krisensyndrome:

  • Burn-out-Syndrom: Unternehmen dieser Sorte sind in die Krise geraten, weil ein zumeist selbstherrliches Management auf ein exzessives Wachstum mit vielen Unternehmensübernahmen gesetzt, das Unternehmen permanent umgebaut und einen Zwang zur Erfolgskultur verordnet hat. Solche Unternehmen laufen auf Hochtouren bis zum Burn-out. Wework, der US-amerikanische Anbieter von Co-Working-Spaces, ist z. B. so ein Fall. Auch bei Uber haben Investoren die Reißleine gezogen und selbstherrliche Gründer aus dem Unternehmen gedrängt.
  • Premature-Aging-Syndrom: Im Gegensatz zu den Ausgebrannten stehen Unternehmen, die vorschnell altern, stagnieren und sich nicht mehr agil genug bewegen. Einstmals erfolgreiche Unternehmen ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus, scheuen Risiken und verschlafen die Zukunft. Sie sind häufig Opfer von disruptiven Angriffen im digitalen Zeitalter. Ob die deutsche Automobilwirtschaft dazu gehört, wird sich noch zeigen. Schlecker z. B. hat das schon bewiesen. Auch eine Wirtschaftsmacht wie Deutschland scheint insgesamt von diesem Syndrom gekennzeichnet. Im internationalen Digitalisierungsranking des ZEW Mannheim belegen wir nur noch durchschnittliche Plätze. Auch im aktuellen Ranking des World Economic Forums ist Deutschland im Hinblick auf seine internationale Wettbewerbsfähigkeit auf den 7. Platz abgerutscht.

Wenn Sie nicht in die Krise geraten oder dort schnell wieder raus wollen, sollten Sie daher beide Extreme vermeiden und die Innovationschancen, die die Digitalisierung bietet, konsequent nutzen. Gesundes Wachstum, stabiler Wandel, gemeinsame Machtausübung und eine ausgewogene Unternehmenskultur, so zumindest lauten die Empfehlungen der Managementforscher vor über 15 Jahren.

Operative Krisenursachen

Die klassischen Restrukturierungslehrbücher sind voll mit operativen Hinweisen, die meist mit harten Einschnitten und Kostensenkungsmaßnahmen verbunden sind. Auch die alten Instrumente wie die Kurzarbeit werden z. B. in der Automobilbranche wieder reaktiviert. Kein Wunder, rechnen doch die Gewerkschafter der IG Metall mit bis zu 150.000 wegfallenden Arbeitsplätzen, wenn Elektroautos die Verbrenner verdrängen. Bereiten Sie sich daher frühzeitig auf den Wandel vor. Auch wenn die Auftragsbücher voll sind, muss man immer Denkreserven für die Zeit danach vorhalten.

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