04.12.2018

Digitaler Nachlass

BGH-Urteil schafft Klarheit

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In Deutschland sind 87 Prozent aller Menschen ab zehn Jahren online. Die meisten verfügen über einen relativ unübersichtlichen elektronischen Datenbesitz. Sie haben einen E-Mail-Account, sind Mitglied in sozialen Netzwerken, shoppen online, erledigen ihre Bankgeschäfte online und/oder haben Verträge mit sonstigen Online-Diensten abgeschlossen. Doch was passiert mit den Accounts, wenn ein Mensch stirbt?

Leiturteil BGH

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat vor kurzem entschieden, dass ein Facebook-Account mit allen enthaltenen Nachrichten an die Erben übergeht. Es besteht kein Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Briefe, Tagebücher oder sonstige private Notizen. Das ist ein wichtiges Grundsatzurteil, das weit über den konkreten Fall hinausgehen dürfte. Dem Urteil zugrunde liegt der Fall einer Mutter, die nicht auf die Facebook Nutzerdaten ihrer verstorbenen Tochter zugreifen konnte.

Digitale Vorsorge treffen

Treffen Sie Vorsorge, wenn Sie nicht ewig elektronisch leben wollen. Ihre Erben dürften in den allermeisten Fällen gar keine Kenntnis davon haben, in welchem Umfang Sie Mail-Konten, soziale Netzwerke oder Cloud-Speicher genutzt haben. Eine Auflistung aller Accounts mit Zugangsdaten können Sie zum Beispiel in einem Bankschließfach hinterlegen. So haben Ihre Erben einen Überblick über den digitalen Nachlass. Das Testament sollte lediglich Angaben enthalten, wo die entsprechende Auflistung hinterlegt ist und zugleich bestimmen, wer Einblick in die Daten erhalten soll.

Digitalen Nachlass sichten

Wer erbt, sollte den digitalen Nachlass auf keinen Fall ignorieren. Der digitale Nachlass ist zu sichten und muss abgewickelt werden. Nutzerkonten und Verträge, die der Erblasser mit Reiseanbietern, Streamingdiensten und Onlinehändlern abgeschlossen hat, müssen gekündigt werden. Hinweise auf laufende Verträge und Mitgliedschaften bietet der E-Mail-Account des Erblassers. Im Eingangs- und Ausgangsfach finden sich viele Mails, Newsletter und Rechnungen, die einen Überblick über die online Aktivitäten geben, wenn eine Auflistung fehlt.

Fazit

Jeder kann zu Lebzeiten regeln, was mit seinen Daten nach dem Tod geschehen soll und wer darauf zugreifen kann. Ein Testament bietet die großmögliche Klarheit, den Nachlass zu regeln. Alternativ kann in einer Vorsorgevollmacht festgelegt werden, wer im Krankheits- oder Todesfall auf Daten zugreifen und Verträge kündigen darf. Unternehmen können den gesetzlichen Erben den Zugriff auf digitale Daten grundsätzlich nicht mehr verbieten. Das BGH-Urteil sorgt für mehr Klarheit im Umgang mit digitalem Nachlass.   

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